Wie evaluiert man die Qualität eines Extra Vergine? Unsere Bemerkungen und Ratschläge.

Beim K-Tipp-Test vom 27/04/2016 der meistverkauften Extra Vergine-Öle waren 8 von 16 Produkte mit zu vielen chemischen Rückständen belastet; Beim Kassensturz-Test  der meistverkauften «Extra Vergine»-Öle vom 02/05/2016 sind 9 von 16 durchgefallen, theoretisch (und praktisch!) könnten sie also nicht als Extra Vergine auf den Regalen stehen. Im ersten Fall wurde eine chemische Analyse durchgeführt, im zweiten Fall stützte sich der Test auf eine sensorische Analyse.

Der Witz: Die Testresultate von Olivenöle im K-Tipp stimmten zum Teil überhaupt nicht mit diejenigen des Tests vom Kassensturz überein!

Die Folge: Eine totale Verwirrung unter den Konsumenten, wie die Kommentare der Leser zeigen.

Was wir nicht genau verstehen, ist warum sich diese Tests nur auf eine einzige Analyse stützen, entweder eine chemische oder eine sensorische. Genau das sollte man vermeiden: Ein glaubwürdiger Öltest sollte sich auf mindestens zwei Analysen stützen, eine sensorische und eine chemische Analyse, und beide sollten in einigen Parametern (z. B. der Oxidation) übereinstimmen. Ein solcher Ansatz wird z. B. vom Consorzio dell’olio extra vergine toscano verfolgt, um das berühmte europäische Herkunftssiegel «IGP Toscano» zu verleihen.

Unsere Erfahrung:

Im Oktober 2015 ist unser frisch gepresstes Bio-Olivenöl (Ernte 2015/16) vom Schweizer Ölpanel (SOP) evaluiert worden. Die „hochkarätige Fachjury“ – so hat sie die Kassensturz-Moderatorin bezeichnet-  hat den Fehler „brandig/erhitzt“ beanstandet und das Öl als „Lampant“ eingestuft (Median der Fruchtigkeit 1.5 Punkte = ungenügend).

Im Dezember 2015 haben wir die gleiche Ölprobe vom Olivenpanel der Provinz Siena durchführen lassen. Diesmal erhielt der Median der Fruchtigkeit 5.1 Punkte, unser Öl wurde also problemlos in die Kategorie Extra Vergine eingestuft!

Diese Erfahrung hat uns gezeigt, dass die sensorischen Analysen nicht unfehlbar sind und dass man sie NICHT ALS EINZIGE PARAMETER in Sachen Ölqualität betrachten kann.

Ob „Extra Vergine“ oder nicht, die Konfusion in Sachen Olivenöl ist gross, gerade in den Ländern Nordeuropas, wo bis vor wenigen Jahren die mediterrane Küche kein grosses Thema war und wo die Kultur des Olivenöls nicht so weit verbreitet ist. Und man weiss ja: Wo Unkenntnis ist, herrscht Schwindel. Und eine Handvoll grosser, internationaler Ölkonzerne, die Macht, Einfluss, Geld und Freunde in den höchsten Ebenen der Politik haben, profitiert von einem milliardenschweren Geschäft.

Wie erkennt man also ein gutes von einem minderwertigen Extra Vergine-Öl?

  • Am Preis. Hier in der Toskana kostet die Produktion eines Kilos Öl (= 1,091 L) zwischen 8 und 9 Euro. Dazu kommen die Abfüllkosten (+20% ca.), die Etiketten und das eventuelle Qualitätssiegel (DOP oder IGP). Der Endpreis eines zertifizierten 100% toskanischen Öls kann also nicht weniger als 15 Euro pro Liter kosten. Nicht zertifizierte Öle kosten etwa 10-12 Euro. Zu einem tieferen Preis finden Sie industrielle Öle, die Mischungen mit Soja- oder Haselnussölen oder mit Tresteröl sind und Färbungsmittel wie Carotin und Chlorofyll enthalten; vielleicht enthalten sie noch einen Zentel Extra Vergine Öl.
  • An der Etikette. Wenn «100% italiano» draufsteht ist es oft kein italienisches Öl, sondern eine Mischung aus EU- oder EXTRA EU-Ölen. Dies wird meistens auf der hinteren Seite der Etikette ganz klein geschrieben. Deshalb ist es wichtig, die Etiketten sorgfältig zu lesen.
  • Am Tiefkühltest. Stellen Sie eine Flasche Olivenöl in den Tiefkühler: Am zweiten Tag wird das gefrorene Extra Vergine Öl kompakt und reiskörnig aussehen. Ist es hingegen schwabbelig, so wie eine dicke Fettscheibe, ist es ein minderwertiges Öl.

Fazit: Wenn Ihnen ein gutes, gesundes Olivenöl wichtig ist, suchen Sie sich einen ehrlichen Olivenbauer und beziehen Sie das Öl direkt vor Ort. So können Sie auch die kleineren Betriebe, die eine Qualitätsproduktion pflegen, konkret unterstützen, da sie sonst wenige Chancen haben, sich einen nachhaltigen Vertriebsweg zu erschliessen.

Meinen Sie nicht auch? 😉

 

 

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